Die Welt des Journalismus

Aus der sicht einer publizistikstudentin

Befragt man Menschen auf der Straße dazu, was Journalismus für sie bedeutet, wird der Begriff regelmäßig mit den klassischen Massenmedien in Verbindung gebracht. Vor allem Radio, Zeitung und Fernsehen. Was immer noch oft außer Acht gelassen, oder höchstens am Rande angemerkt wird, ist Social Media. Doch während es weiterhin von Vielen unterschätzt wird, nimmt Social Media eine zunehmend wichtigere Rolle in unserer Gesellschaft ein. Auch für den Nachrichtenkonsum. 

 Für zwei Drittel der unter 30-Jährigen ist das Internet das wichtigste Medium und über 50 Prozent der Österreicher:innen nutzen Social Media (Statista, 2020). 

Und obwohl der Nachrichtenkonsum über das Fernsehen während der Pandemie wieder an Bedeutung gewonnen hat, nutzten junge Menschen im Alter von 18-24 Jahren trotz allem vorwiegend Online-Nachrichtenquellen (Statista, 2021). 

Das bedeutet auch eine Veränderung der Anforderungen an Jungjournalist:innen. In einer Zeit, in der ein signifikanter Umschwung im Nutzungsverhalten vieler Nachrichtenkonsument:innen stattfindet, kann man während seiner Ausbildung nur erahnen, auf welche Zukunft vorbereitet wird. Und was wieder und wieder auffällt, ist, dass eine gewisse Unsicherheit über den zukünftigen Arbeitsmarkt im Journalismus in der Luft hängt. 

Kürzlich in einer Journalismus-Vorlesung an der Universität Wien, wurde rund 30 Publizistikstudent:innen die Frage gestellt, welche Veränderungen sie in diesem Arbeitsfeld prognostizieren. Einige Gedanken, die beinahe einheitlich vorausgesagt wurden sind folgende: 

  1. Der tägliche Nachrichtenjournalismus wird sich schrittweise immer weiter auf Online-Plattformen verlegen. 
  2. Breiter gefächerte Themen, welche mehr Platz als einen Online-Artikel in Anspruch nehmen, könnten sich auf Wochenmagazine verlagern, in denen Themen blockweise behandelt werden. 
  3. Multimedia, beziehungsweise Hypermedia, wird an Relevanz gewinnen. Die Verknüpfung verschiedener Medien und deren jeweiliger Elemente (sowie Grafik, Ton, Video und Ähnlichem) wird also vermehrt auftreten. 
  4. Aktuelle und tägliche Nachrichten, die für die Bevölkerung allgemein relevant sind, werden häufiger in knapperen, informations-intensiven Zeitspannen präsentiert (zu sehen am Beispiel des ZIB100-Formats). 

Natürlich kann man aus diesen Ideen keine Zukunftsprognose erstellen, allem voran, weil sie nicht von Expert:innen gestellt wurden. Wirft man jedoch ein Auge auf die vermittelten Lehrinhalte an vielen Hochschulen, Universitäten und anderen Ausbildungsstätten, bekommt man den Eindruck, dass Lehrenden ein ähnliches Zukunftsbild vorschwebt. 

Auch die Zahl der möglichen Arbeitsstellen im Bereich des Journalismus, sowie dem insgesamten Kommunikationsbereich, erscheint über Social Media vervielfacht. Tageszeitungen erfordern in ihren Jobausschreibungen oftmals, dass bereits ein Praktikum bei einer Zeitung absolviert sein muss – selbst bei der Bewerbung für Praktikumsstellen. Und überhaupt ist die Anzahl an Praktikumsstellen bei vielen klassischen Medien sehr beschränkt. Dies erschwert natürlich den Einstieg in die Journalismus-Branche und lässt den Bereich für viele junge Journalist:innen unnötig unzugänglich erscheinen. Dahingegen bietet der Einstieg über Social Media vielfältigere Chancen. Viele kleinere Unternehmen sehen in Social Media eine Gelegenheit, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Gerade durch die Algorithmen von etwa Instagram oder TikTok kann man mit etwas Geschick viral werden und großen Erfolg erzielen. Auch hier – oder eigentlich gerade dafür – braucht es Fachwissen von gut ausgebildeten Journalist:innen. 

In diesem Aufgabenbereich des Social Media liegt also riesiges (größtenteils unausgeschöpftes) Potenzial für junge Expert:innen. Interessanterweise, liegt dort allerdings gleichzeitig eine große Gefahr, welche sich vorwiegend in der Social-Media-Arbeit bemerkbar macht. Und zwar die Gefahr der falschen Expert:innen. Nachdem Plattformen sozialer Medien für Massen an Menschen nicht nur zu rezipierenden, sondern obgleich zu praktizierenden Zwecken zur Verfügung stehen, ist oft unklar, welche Ausbildung es benötigt, um tatsächlich „Social Media Expert:in“ zu sein. Gerade junge Leute scheinen vielmals ausgesprochen fähig, Social-Media-Kommunikation zu leisten, weil sie technisch kompetent sind (oder zumindest wirken). Das Verständnis für ein bestimmtes Online-Medium zu haben, reicht aber nichtsdestotrotz meist nicht aus, um möglichst erfolgreich Kommunikation zu betreiben. Denn selbst wenn es nicht immer so erscheinen mag, folgt diese auch in den sozialen Netzwerken noch den Grundregeln des Journalismus. Und diese werden immerhin in der Ausbildung vermittelt.

Eines ist klar: Die Welt des Journalismus verändert sich derzeit stark. Und obwohl vielerorts Vorahnungen ausgetauscht werden, kann niemand in einer Kristallkugel die Zukunft sehen. Alles was wir tun können, ist uns vorzubereiten auf etwas, das kommen könnte. Und sei es Fernsehen, Radio, Zeitung oder Internet, der Arbeitsmarkt für Jungjournalist:innen bietet Vieles und, wenn man offen für Veränderung ist, noch vieles mehr.

Gastbeitrag von Anna Samide, Mitarbeiterin des Friedrich-Funder-Instituts

Quellenverzeichnis