Medienkompentenz unerlässlich in der Informationsgesellschaft

Ein Komplexes Thema

Die Welt wird immer komplexer – ein Befund dem man ohne zu zögern zustimmen kann. Die Abbildung dieser zunehmend unübersichtlichten Lage, eine unbestechliche Einordnung und Interpretation komplexer Zusammenhänge sowie eine profunde Kommentierung werden daher wichtiger denn je. Klassische journalistische Tugenden und Kompetenzen bieten gerade in Zeiten von zunehmender Desinformation im Netz, Deep Fake – Videos und Manipulationen jeglicher Art eine wichtige Hilfestellung für unsere demokratische Gesellschaft. Selbstverständlich sind auch Journalistinnen bzw. Journalisten und Medienverantwortliche von diesen Herausforderungen betroffen und müssen sich ständig in der Aus- und Fortbildung mit diesen neuen Phänomenen auseinandersetzen.

Der Mediensektor war eine der ersten Branchen, die von der Digitalisierung erfasst wurden und in allen Bereichen wie Produktion, Logistik, Journalismus, Vermarktung bis hin zum Medienkonsum diesem Umbruch stellen musste. Die Zeitspanne in der sich dieser Umbruch ereignet hat, ist eine denkbar kurze. Vor 20 Jahren – ich selbst gibg noch nur zur Schule – waren CD´s noch Standard, das Smartphone noch nicht erfunden und Facebook noch nicht gegründet. Medienpolitisch war die ORF-Reform dominierend, Zeitungen und Magazine hatten wirtschaftlich „goldene Jahre“ und das Privat-TV-Gesetz hat in Österreich, damit als letztem Land Europas, Privatfernsehen zugelassen. Seit dem ist viel geschehen. Die Herausforderungen für Österreichs Medienpolitik und auch die Medienunternehmen selbst haben mittlerweile ein ernstes Ausmaß angenommen. Betrachtet man die einschlägigen Indikatoren zur Werbung in Medien, einer der wichtigsten Refinanzierungsquellen für Medienangebote, wird man schnell feststellen wie weit der Transformatiosnprozess bereits vorangeschritten ist. So verzeichnete die 5% Werbeabgabe im letzten Jahr Einnahmen aus allen Mediengattungen von rund € 1,4 Mrd. Die 2020 eingeführte Digitalabgabe – ebenfalls 5% auf große Digitalplattformen wie Google, Facebook, Amazon – verzeichnete bereits mehr als € 1 Mrd. Problem dabei ist, dass dieser Werbeumsatz zum großen Teil aus Österreich ohne Wertschöpfung abfliesst. Vor allem journalistische Arbeitsplätze sind von dieser Verlagerung, weg von österreichischen Medien, betroffen.

Es wird daher im Interesse unserer informierten Gesellschaft wichtig sein, die entsprechenden Rahmenbedingungen so zu gestalten, sodass eine unabhängige und vielfältige österreichische Medienlandschaft auch im 21. Jahrhundert Bestand hat.

 

Hier setzt zumeist die Kritik des durchschnittlichen Medienkonsumenten gegen das Spannungsverhältnis Politik und Medien ein. Die Unabhängigkeit vieler Medien wird auf Grund der öffentlichen Unterstützung sei es in Form der Presse- und Rundfunkförderung, über Werbekampagnen des Bundes und der Länder bis zu den Rundfunkgebühren für den ORF in Frage gestellt. Auch hier bietet die Aus- und Weiterbildung einen wichtigen Beitrag im beruflichen bzw. professionellen Umgang an dieser zweifelsohne kritischen Schnittstelle.

Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen können mit globalen Phänomenen, wie der Digitalisierung, kaum mithalten. Einerseits betrifft dies die enorme Geschwindigkeit der Umwälzung, und andererseits gibt es kulturell bedingt unterschiedliche Zielvorstellungen – national und global. Ein gutes Beispiel ist die aktuelle Umsetzung der 2019 beschlossenen EU-Copyright-Richtlinie, die in Österreich noch fristgerecht umgesetzt wurde. Universelle Themen wie „Schutz von geistigem Eigentum“ und „Kreativleistung in der Wertschöpfung“ stehen der Vorstellung eines „freien Internets“ ohne Regeln und Schranken gegenüber und werden mit Sicherheit noch intensiv diskutiert. Klar ist, dass wir eine Handhabe benötigen, die österreichische, journalistische Leistungen vor kommerzieller Ausbeutung von gewerblichen Anbietern schützen.

Digitale Transformation – Anspruch & Wirklichkeit

Die Corona-Pandemie hat bekanntermaßen wie ein Brennglas gewirkt. Die Digitalisierung hat spürbar zugenommen. Das hat jede und jeder Einzelne im Home-Office gemerkt, Kommunikation über Video-Konferenzen und Nachrichtenvermittlung über Video und Social-Media-Kanäle sind ein wesentliches Merkmal dieser Entwicklung. Gleichzeitig ist die Medienlandschaft wie bereits beschrieben mit einem volatilen Werbemarkt konfrontiert. In der Pandemie waren die Einbrüche vor allem für kleinere Medien dramatisch und für manche auch existenzbedrohend. Im internationalen Vergleich hat die österreichische Bundesregierung durch mehrere Unterstützungsmaßnahmen für Printmedien, den Privatrundfunk und die nicht-kommerziellen Medien rasch agiert und der gesamten Branche über diese schwierige Phase hinweg geholfen. Der geplante Digitalisiserungsfonds, der im Herbst beschlossen wird, soll auch einen Schwerpunkt auf journliastische Aus- und Fortbildung – vor allem im Digitalbereich – legen. Eine Maßnahme die dringlich erforderlich ist und sich im Einklang mit den europäischen Vorgaben befindet.

Österreichische Identität – Anker der Gesellschaft

Neben der Unabhängigkeit der österreichischen Medienlandschaft ist auch der identitätsstiftende Charakter immer wichtiger. Denn erst durch das Herstellen einer qualifizierten Öffentlichkeit durch sachliche Berichte, umfassender Reportage, sowie Analyse und Einordnung, entwickelt sich gesellschaftlicher Diskurs. Ein unerlässlicher Prozess für die Bewusstseinswerdung in unserer Gesellschaft und das Erzeugen einer österreichischen. Identität. Diese Entwicklung stellt aber nicht nur eine Gefahr dar, sondern bietet auch eine Chance. Denn während skalierbare und nahezu austauschbare Inhalte vermehrt gestreamt und auf internationalen Plattformen konsumiert werden, werden regionale und lokale Nachrichten, Kultur und gesellschaftliche Ereignisse nur von heimischen Informationsangeboten in der Tiefe abgebildet werden. Dies ist nicht nur gesellschaftlich wünschenswert, sondern auch eine medienstartegische Perspektive.

Bei der Ausbildung ansetzen

Aus- und Weiterbildung in Journalismus und Medien heißt deshalb auch, sich mit neuen Techniken, neuen Technologien, mit neuen Arbeitesweisen und Formaten sowie mit sich verändernden Nutzungsgewohnheiten auseinanzusetzen. Dies betrifft sber keineswegs nur professionelle Journalistinnen und Journalisten, sondern jeden der sich mit Medieninhalten beschäftigt oder möglicherweise sogar publiziert. Medienkompetenz ist zwar in allen Lehrplänen unseres Schulwesens verankert, bei der Vermittlung hinkt es jedoch noch gewaltig. Auch hier bietet das Friedrich Funder Institut seit vielen Jahren bewährte Angebote an. Zahlreiche Kooperationen mit der Österreichischen Schülerunion aber auch mit dem MKV sind Beleg für die fruchtbringende Zusammenarbeit in diesem wichtigen Feld.

Die Digitalisierung bietet für alle große Chancen und Möglichkeiten, denn einerseits wächst die Verantwortung für Medien und Redaktionen mit qualitativen Informationen und Verlässlichkeit die Nutzerin bzw. den Nutzer zu informieren, und andererseits haben vielmehr Menschen die Chance am öffentlichen Diskurs zu partzipieren. Medienkompentenz ist der Schlüssel dafür, um die komplexe Welt unserer Informationsgesellschaft zu dechiffrierenzu können.

Gastbeitrag von Mag. Sophie Ernest, Geschäftsführerin des Friedrich-Funder-Instituts